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Geschichte

 In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden mit dem Aufkommen des mechanischen Webstuhls auch die Hausweber des Münsterlandes arbeitslos. Ihre bisherigen Auftraggeber, die Verleger, zogen aus den ländlichen Regionen in die verkehrsgünstigeren Städte und bauten dort eigene Webereien.

Als Garnhändler war auch Heinrich Karl-Georg Kettelhack von dieser Veränderung der Rahmenbedingungen betroffen. Er nahm das zum Anlass, selber Verleger zu werden und am 03. September 1874 ein eigenes Unternehmen zu gründen. Unterstützt wurde er dabei durch seinen Neffen Heinrich Eduard. Um sich gegen die aus seiner Sicht preisaggressive Konkurrenz der industriell gefertigten Gewebe behaupten zu können, reiste Heinrich nach Berlin, Süddeutschland und in die Schweiz, um dort seine Gewebe als westfälische Spezialität zu verkaufen. Damit war er so erfolgreich, dass er schon nach wenigen Jahren auch den Schritt in die industrielle Fertigung vollziehen konnte.

1882 baute er eine mechanische Weberei in Rheine. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen so positiv weiter, dass er mit eigener Garnfärberei und Konfektion ein weites Spektrum von Buntgeweben für Haus- und Heimtextilien anbieten konnte.

Als Reaktion auf die unzuverlässige Garnverfügbarkeit während der Korea-Krise erschien es Gewinn bringend, 1952 eine eigene Spinnerei zu errichten und die Vollstufigkeit in der Produktion zu schaffen.

In den folgenden Jahren wurde mit dem Aufbau der Fachhandelsmarke HEIKE ein einheitlicher Marktauftritt für das umfangreiche Produktionsprogramm geschaffen.

Ende der 50er Jahre führten sogenannte „Barter“-Geschäfte des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus zu einer regelrechten Marktüberschwemmung mit osteuropäischen Buntgeweben. Als radikale Reaktion darauf wurde 1960 die Buntweberei eingestellt. Die alten Buntwebautomaten wurden gegen moderne, gerade erst am Markt eingeführte Sulzer-Projektilwebmaschinen ausgetauscht. Mit der Entwicklung von Baumwoll-/Polyester-Mischgeweben wurde das bestehende Baumwollprogramm um Spezialqualitäten für den Hotel- und Hospitalbereich ergänzt. Durch die Konzentration auf das Färben und Ausrüsten der eigenen Rohgewebe wurde die Kompetenz als Spezialist für unifarbige Textilien begründet.

Im Jahr 1982 musste Kettelhack seinen Standort in der Innenstadt aufgrund städtebaulicher Restriktionen aufgeben. Trotz der damals schon bestehenden Krisenstimmung in der Textilindustrie entschied sich Kettelhack für die Verlagerung und den Neubau des Unternehmens. Verbunden wurde dieser Umzug mit einem Strukturwandel von der bis dahin noch sehr mechanischen und personalintensiven zu einer hochautomatisierten kapital- und energieintensiven Produktion.

Die Kenntnisse als Spezialist für unifarbige Textilien wurden ab 1986 genutzt, um das Angebot um Gewebe für Berufsbekleidung zu ergänzen. Durch permanente Investitionen in die technische und maschinelle Ausstattung konnte die vollstufige Produktion auch weitere 25 Jahre auf international wettbewerbsfähigem Niveau erfolgreich betrieben werden.

Das HEIKE-Programm mit Betttüchern für den privaten Endverwender – ehemals der Kernbereich des Unternehmens – passte nicht länger in das Produktportfolio. Die Qualitäten hatten sich von gewebten zu gestrickten Spannbetttüchern verschoben. Eine eigene Produktion war deshalb nicht möglich. Marktseitig war es darüber hinaus notwendig, Betttücher mit modisch bedruckter Bettwäsche zu kombinieren. Das Sterben des klassischen Bettwäsche-Facheinzelhandels, die Konzentration der Konzerne und Einkaufsverbände und die Dominanz von Billigimporten boten darüber hinaus für ein produktionsstarkes Unternehmen keine ausreichende Perspektive. Konsequenterweise hat sich Kettelhack daher von diesem Geschäftsbereich getrennt und 2007 an ein neu gegründetes reines Handelsunternehmen verkauft.

Diese Entlastung wurde genutzt, um sich nun ausschließlich auf den immer anspruchsvoller werdenden Bereich der corporate textiles und der hochwertigen Hotel- und Hospitalbettwäsche zu konzentrieren. Das Angebot wurde ausgebaut und attraktiver gestaltet.

In vielen Bereichen waren und sind Gewebe aus hochwertigen Rotorgarnen wegen ihrer spezifischen Eigenschaften sehr geschätzt. Mit dem Trend zu immer leichteren und feineren Geweben und der zunehmenden Forderung eines weichen Warengriffs stoßen Gewebe aus Rotorgarnen jedoch an ihre Grenzen. Deshalb begann Kettelhack im Jahr 2007, zu den aus Rotorgarnen hergestellten Geweben der eigenen Produktion ergänzend Rohgewebe aus feinen gekämmten Ringgarnen zuzukaufen. Um das Potential dieser neuen Gewebe optimal nutzen zu können, wurde in der Ausrüstung die Vorbehandlungsanlage komplett erneuert und zusätzlich eine Mercerisieranlage aufgebaut.

Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09, die in der gesamten Textilbranche zu Umsatzeinbrüchen von 30 % und auch mehr geführt hat wurde sichtbar, welche extremen Anforderungen an die Flexibilität eines industriell mit hoher Fertigungstiefe produzierenden Unternehmens gestellt werden. Die zunehmend starken Auslastungsschwankungen, verursacht durch Konjunktureinflüsse und schnelllebige Marktveränderungen, stehen in krassem Widerspruch zu den Erfordernissen eines auf Produktivität und Effizienz ausgerichteten Herstellers der klassischen Textilindustrie.

Wieder einmal wurde Kettelhack vor die Wahl der zukünftigen Unternehmensausrichtung gestellt. Die Alternativen waren eine Fortsetzung der in der Vergangenheit erfolgreichen sehr produktionsorientierten Ausrichtung oder eine konsequent zukunftsorientierte Unternehmensdefinition vom Markt her. Es wurde geprüft, inwieweit bei den aktuellen und auch zukünftig zu erwartenden Rahmenbedingungen das über viele Jahrzehnte erfolgreiche Konzept einer vollstufigen Produktion Bestand haben kann. Dabei durfte nicht allein die Tradition Leitlinie für ein sinnvolles Geschäftsmodell sein, sondern insbesondere überzeugende Ergebnisse für die nachhaltige Unternehmenssicherung.

Neben dieser überwiegend produktionsorientierten Betrachtungsweise wurden die gesamten Unternehmenspotentiale und ihre Bedeutung für den Markt ebenso auf den Prüfstand gestellt. Es galt Alternativen zu entwickeln, bei denen man sich zukünftig auf die Abteilungen und Produktionsaktivitäten beschränkt, die auch in schwierigen Marktsituationen über eine ausreichende Leistungsfähigkeit und Flexibilität verfügen. Die hierzu angestellten Überlegungen und die konsequente Vorgabe, sich an den Markterfordernissen zu orientieren haben dazu geführt, dass sich Kettelhack Mitte 2011 aus der textilen Grundlagenproduktion verabschiedet hat und sich zukünftig auf die Bereiche der Textilveredlung konzentrieren wird. Schon bisher wurden Rohgewebequalitäten, die in der eigenen Spinnerei und Weberei aufgrund der technischen Möglichkeiten nicht gefertigt werden konnten, zugekauft. Das zwischenzeitlich aufgebaute Netzwerk von europäischen und asiatischen Webereien bietet die Möglichkeit, Gewebe in einer Vielzahl verschiedener Varianten und Eigenschaften entsprechend des vorgegebenen Kettelhack-Standards zu beschaffen. Die eigene Färberei und Ausrüstung hat sich mittlerweile als die für die Qualität und Gebrauchstüchtigkeit des Endproduktes entscheidende Stufe der textilen Wertschöpfungskette herauskristallisiert. So wird sichergestellt, dass bei einem noch umfassenderen und attraktiveren Angebot die im Markt geschätzte Kettelhack-Qualität auch zukünftig gewährleistet ist.